Magyar-Vizsla Zucht der Familie Griep - Zwinger vom Hugenberg

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Andra von der Marienhöhe


Anti-Jagd-Training
auf Basis Positiver Verstärkung

von Pia C. Gröning (© 2001)

Voraussetzungen:

- Grundkenntnisse in der Arbeit mit positiver
  Verstärkung
- Konsequenz
- Geduld
- Brustgeschirr und Schleppleine

Was ist Jagen?

Das Jagen ist ein starker und wichtiger Instinkt des Hundes, insofern, als dass dieser Instinkt der Nahrungsbeschaffung und somit dem Überleben dient.

Sobald sich etwas bewegt wird die Aufmerksamkeit und folgend das Jagen im Form von Nachrennen ausgelöst. Dies läuft im Hund ab, ähnlich des Drückens eines Alarmknopfes.

Das Jagen kann man zunächst in drei Bereiche unterteilen:
- eine Spur suchen
- die Spur ausarbeiten (wichtigster Teil des
   Jagdverhaltens)
- die Beute fangen und töten

Warum jagt mein Hund?

Grundsätzlich gilt, dass Jagen selbstbestärkend ist. Die Ursachen, warum ein Hund damit begonnen hat, können unterschiedlich sein:

a) zu wenig Beschäftigung/Langeweile/Keine
   Aktion auf dem Spaziergang
b) Erlernt, z.B. durch selbstständige Ernährung
   bei ehemaligen Straßenhunden
c) genetisch fixiert
d) Jagen als Übersprungshandlung (Handlung, die aus einem Konflikt entsprungen ist)

Wie reagiere ich auf die jeweilige jagdliche Motivation des Hundes?

zu a) Gegensteuern: Mehr Beschäftigung im Sinne von Agility, Obedience/Dog Dancing, Stöbern, Fährten, Fahrrad fahren etc.; auf den Spaziergängen Übungen aller Art von kleinen Kunststücken bis hin zu wichtigen Übungen; den Hund denkerisch fördern und auslasten durch Suchspiele, Denkspiele, Clickersitzungen usw.

zu c) kanalisieren in jagdähnlichen Spielen und Aufgaben, kontrollieren durch stetiges Üben, umlenken z.B. auf ausschließlich Vögel oder Mäuse oder Nasenarbeit, da diese ein jagdliches Element ist

zu d) Auslöser für die Übersprungshandlung beseitigen, Beispiel: Um eine Begegnung mit einer entgegenkommenden Meute von Hunden zu vermeiden, geht der Hund lieber ins Gebüsch und täuscht eine Jagd vor, Lösung: Hund ranrufen und einen großen Bogen gehen

Grundsätzlicher Aufbau des Trainings:

Ansatzpunkt:

Der Hund soll einen gewissen Radius um den Besitzer herum einhalten. Vorteil: Der Hund befindet sich im Einwirkungskreis und kann dadurch am Jagen gehindert werden.

Einzelheiten:

Dieser Radius wird bestimmt durch die Länge der Schleppleine (stabiles Nylonseil, wasserabweisend, leichter, stabiler Karabiner, im Bergsteigershop gut erhältlich). Es sollen mindestens 10 Meter sein. Die Leine wird am besten am Geschirr des Hundes befestigt und schleift auf den Boden mit. Nur im Notfall dient sie durch „Drauftreten“ als Hinderung am Jagen. Zweckmäßig ist es, die Leine auf möglichst jedem Spaziergang anzulegen und nicht nur in wildreichen Gebieten , wo sie schnell zum Signal dafür werden würde. Später kann diese Leine schrittweise gekürzt werden bis nur noch ein kleines Stück herunterhängt bzw. die Leine überflüssig wird.

Das Ende der Leine ist gleichzeitig die Grenze des Radius. Der Hund lernt den Radius einzuhalten, indem man an der Grenze den Hund zu sich ruft oder ihn mit sitz/platz/steh/down stoppt oder mit warte/langsam innerhalb des Radius hält. Viele Hunde mögen es, wenn die Belohnung (z.B. Leckerchen) gerollt oder geworfen wird. Neigt der Hund dazu, weit vor dem Besitzer zu laufen, wirft man die Belohnung gegen die Laufrichtung, also nach hinten. Damit wird der Hund nach Hinten bestärkt.

Kreativität ist gefragt! Kleine Übungen, Kunststücke, „Bleib“-Übungen, Stöbern, Suchen, Spiele, usw. hellen die anfangs recht anstrengenden Spaziergänge auf. Auch wenn es mal nicht so toll klappt, sollte man stets geduldig bleiben. Für Leute, die ihre Stimme nicht so gut kontrollieren können, bietet sich eine Pfeife an. Wichtig ist ausschließlich in reizarmen Gegenden spazieren zu gehen.

Bald wird der Hund anfangen von sich aus den Radius einzuhalten, indem er z.B. stehen bleibt, langsamer geht, öfter schnüffelt oder Gras frisst usw. Diese Ansätze müssen unbedingt von Seiten des Besitzers positiv verstärkt werden (z.B. Click & Belohnung).

Hat der Hund den Radius akzeptiert, kann man sich in reizhaltigere Gebiete (z.B. Wald) wagen zwecks Generalisierung. Meistens muss man ein gutes Stück im Training zurückgehen, erreicht aber bald den vorherigen Standard.

Parallel dazu ist es sinnvoll einige (oder alle) der folgenden Ideen und Übungen für sich zu übernehmen und in den Spaziergeh-Alltag einfließen zu lassen:

Klassische Konditionierung oder „Superwort“

Ein ausgewähltes Wort oder Geräusch wird klassisch konditioniert. Wenn dieses Wort ertönt (bei uns: uiuiui), dann folgt immer etwas ganz Tolles (bei uns: Mäuse buddeln oder Leckerchen suchen). Was für den Hund am attraktivsten ist, findet man durch Beobachtung schnell heraus.

Ziel des Superwortes ist es, in reizarmen Situationen aufgebaut zu werden und später in reizreichen Situationen als Reflex zu fungieren, so dass die Motivation zum Jagen (die immer sehr hoch ist) nicht mit der Motivation z.B. zum Kommen konkurriert. Der Aufbau eines Superwortes muss sehr gewissenhaft erfolgen. Mehr dazu unter dem Stichwort Generalisierung weiter unten im Text.

Blickkontakt

Die meisten Hunde schauen noch mal kurz zum Besitzer bevor sie sich auf und davon machen. Man muss ganz genau hinschauen und diese Bruchteil der Sekunde nutzen! Nutzen im Sinne von ein Signal geben, Superwort einsetzen etc.

Als Signal hat sich bei Eika mein Umkehr-Signal "go back" in Kombination mit Umdrehen und Weggehen meinerseits ( Orientierungsreflex) am wirkungsvollsten gezeigt. Allgemein ist es immer sinnvoll, dass der Hund öfter Blickkontakt aufnimmt.

Dabei ist mir aufgefallen, dass z.B. viele Schäferhunde das automatisch anbieten hingegen Jagdhunde dieses Verhalten erst erlernen.

Man hat drei Möglichkeiten den Blickkontakt aufzubessern:

a) für den Blickkontakt ein Signal einführen und besonders in reizreichen Gebieten einfordern
b) jeden Blickkontakt einfangen, den der Hund freiwillig bietet (am besten mit Clicker)
c) öfter den Weg wechseln, sich verstecken, umkehren usw.

zu a) besonders für Hunde geeignet, die keinen Blickkontakt von sich aus anbieten. Nach einiger Zeit wird der Hund dazu übergehen ohne Aufforderung Blickkontakt anzubieten, der dann auf jeden Fall bestärkt werden muss. Nach gegebenen Signal für Blickkontakt, kann man dem Hund ein Sichtzeichen anbieten (z.B. Sitz).

zu b) erfordert viel Konzentration von Seiten des Besitzers (sozusagen immer Blick auf Hund und gleichzeitig Clicker zum Einsatz bereit in der Hand). Am Anfang hat Eika sich bis zu 500 m entfernt bevor sie mal zu mir geschaut hat. Insofern hatte ich selten Gelegenheit Blickkontakt zu clicken.

zu c) Sehr wirkungsvoll. Am Anfang schaut sich der Hund eventuell nach größerer Entfernung erst um. Insofern verlässt er den Radius und somit meinen Einwirkungsbereich. Diese Taktik also nur in wildarmen Gebieten anwenden.

Triebe ausleben:

Hat der Hund z.B. Interesse am Buddeln, dann würde ich ihm dieses Vergnügen lassen. Man sollte bedenken, dass sich im Hund durch die Tatsache, dass er seinen Jagdtrieb nicht ausleben darf, Frust aufbaut. Frust bedeutet Stress. Warum man Stress beim Hund vermeiden sollte, kann im Rahmen dieses Artikels leider nicht erörtert werden.

Kann sich der Hund für kein „ungefährliches Jagen“ begeistern, sollte man versuchen Ersatzspiele zu finden (z.B. Apportieren, Stöbern, Fährten, etc.).

Nicht-Hören gelernt:

Bedenkt man, dass der Hund gelernt haben kann, dass ein Signal vom Hundehalter nicht immer befolgt werden muss (z.B. wenn man ihn ruft, obwohl man weiß, dass er nicht kommen wird), dann muss der Hund erst mal lernen, dass auf ein Signal ein Tun seinerseits zu folgen hat. Dies lernt er automatisch, da er durch die Schleppleine bedingt nicht Jagen kann und das Schleppleinentraining allgemein Konsequenz von Seiten des Hundeführers gegenüber dem Hund fordert. Trotzdem sollte man das immer im Hinterkopf behalten, um die Reaktionen des Hundes besser verstehen zu können und selbst keinen Unmut aufzubauen.

Crossover:

Ist (Sind) der Hund, der Hundeführer oder Beide so genannte Crossover (Umsteiger von aversiven Methoden auf positive Verstärkung), so sollte man besonders darauf achten, dass die angewandten Signale für die Einhaltung des Radius positiv belegt sind.

Möglichkeiten: Gegenkonditionierung oder Neuaufbau.

Bei der Gegenkonditionierung bleibt das Signal für eine Übung bestehen, aber es wird positiv belegt, indem man diese Übung stetig belohnt.

Besser ist ein Neuaufbau. Eine Übung wird durch Shaping (Formung eines Verhaltens) komplett neu aufgebaut und bekommt ein neues Signal. Meiner Erfahrung nach führt eine neuaufgebaute Übung später zu besseren Ergebnissen. Eika kennt zum Beispiel die Signale "Komm" und "Go back" (Richtungswechsel zu mir hin, aber nicht bis zu mir, auch als "Kehr um" bekannt). Das "Komm" habe ich gegenkonditioniert und das "Go back" mit Hilfe des Clickers aufgebaut. In einer Situation stand Eika stocksteif da und visierte ein Kaninchen auf einer Wiese an. Ich war etwa 30 Meter entfernt und versuchte Eika mit "Komm" zurückzurufen. Keine Reaktion von ihr. Dann probierte ich es mit "Go back" und sie kehrte sofort um. Hinzu kommt, dass das "Go back" besser generalisiert worden ist.

Deswegen ist es wichtig die Generalisierung der einzelnen Übungen zu beachten. Man kann z.B. „Sitz“ zur Einhaltung des Radius nicht nutzen, wenn es bis jetzt nur im Haus geübt wurde und somit in einer reizarmen Gegend noch nicht generalisiert ist. Die Generalisierung erfolgt schrittweise. Man beginnt eine Übung in ablenkungsarmer Umgebung, wie z.B. im Haus. Funktioniert diese Übung im Haus gut, dann übt man weiter im Garten, wobei die Übung anfangs qualitativ schlechter sein wird, aber schnell den alten Standard zurückerlangt. Später übt man auf dem Hundeplatz, dann in langweiligen Wohngebieten, hinterher auf einem Feld und zum Schluss im Wald. Den Schwierigkeitsgrad der Umgebung sollte jeder Hundeführer für seinen Hund individuell bestimmen. Z.B. fällt es manch einem Hund schwieriger auf einem Hundeplatz zu lernen wegen den ganzen interessanten Artgenossen, doch im Wald kann er sich gut konzentrieren.

Ist die Generalisierung der Übung "Komm" ausreichend (!) an diversen Orten vorgenommen worden, sollte man das "Komm" noch weiter vertiefen. Da selten Wild zu Übungszwecken zur Verfügung steht, gibt es einige Übungen die ähnliche Bedingungen bieten und zur Vertiefung beitragen können.

Überlegungen:

- Das, was den Hund am meisten ablenkt, ist gleichzeitig die größte Verstärkung!

Konnte man seinen Hund z.B. von der Jagd auf eine Vogel abrufen, so ist die größte Belohnung den Vogel nach erfolgreichen kommen (gefahrlos!!!) jagen zu dürfen. Man setzt also das Jagen selbst als Belohnung ein, aber kontrolliert! Damit das erfolgreiche Abrufen vom Vogel kein Zufall ist, sollte man diese Übungen zwischendurch machen (siehe Generalisierung).

- Das Vorstehen bzw. das Stehen bleiben bei der Erörterung von Wild belohnen

Vorstehjagdhundrassen wie z.B. der Pointer, der Große Münsterländer, u.a. sollen den Aufenthaltsort des versteckten Wildes anzeigen. Die typische Vorstehhaltung sieht man auf dem Bild von Scout beispielhaft. Der Hund zeigt damit seinen Jäger an, dass sich vor ihm im hohen Gras, Gebüsch usw. Wild versteckt. Andere Hunderassen nehmen vielleicht nicht diese Vorstehhaltung ein, aber bleiben zumindest stehen und fixieren einen Punkt. Genau in dem Moment ist es sinnvoll seinen Hund zu loben oder optimalerweise dieses Verhalten zu clicken. Dies klingt im ersten Moment paradox, weil der Hund in seinem Interesse für Wild nicht auch noch bestärkt werden soll. Es gibt dazu drei Gedanken:

a) ein Hund der steht, kann kein Wild jagen. Nach und nach steht er vielleicht so lange, bis ich ihn in Ruhe anleinen und mitnehmen kann.

b) das Anzeigen von Wild akzeptiert der Hund eventuell als Alternativverhalten zum Jagen

c) Ich kann leider (noch) nicht den biologischen Prozess erklären, der beim Loben des Vorstehens abläuft. Aber ich habe folgende Beobachtung gemacht: Mein Hund ist im Zustand des Vorstehens nicht ansprechbar gewesen. Anfangs hat er nach dem Click das Wild (meistens einen Fasan) hochgemacht. Nach und nach war mein Hund immer ansprechbarer. Z.B. konnte ich nach dem Click ein Leckerchen neben ihn auf den Boden werfen. Statt das Wild hoch zu machen, suchte er nun das Leckerchen. Inzwischen kann ich ihn ins Sitz rufen und in aller Ruhe abholen oder ein Leckerchen als Belohnung werfen.

- Zum Jagen geschickt werden, macht nur halb so viel Spaß!

Schickt man seinen Hund gezielt ins Feld, wird er wahrscheinlich etwas irritiert und unschlüssig sein. Sobald er die Nase senkt, kann man wunderbar das Abrufen üben, da diese Anforderung sehr niedrig ist. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die gerade aufgenommene Fährte eher uninteressant ist. Ebenso lässt sich das auf den Weg Zurückkehren üben. Man schafft dadurch eine abschätzbare Trainingssituation.

Hinweis:

Falls der Hund sich aus irgendeinem Grund aus dem Einwirkungskreis entzieht und jagen geht, verhält man sich am besten möglichst ruhig, ruft nicht und wird nicht böse, wenn er zurück kommt! Für ein erfolgreiches Training ist dieser Rückfall weder förderlich noch dramatisch.

Fazit:

Mit dem Thema Jagen habe ich mich schon seit längerer Zeit beschäftigt, da ich durch Eika bedingt selbst betroffen bin. Der Text ist keineswegs vollständig, aber ich werde ihn regelmäßig überarbeiten.

Selbst bekannte Verhaltensforscher wie z.B. Günther Bloch behaupten, dass Jagen nicht durch ausschließliche Anwendung von positiver Verstärkung in den Griff zu bekommen ist. Wer weiß? Wenn man bedenkt, dass die wenigsten Jäger ihren Jagdhund 100%ig unter Kontrolle haben, scheint die Anwendung von Strafe auch keine Garantie zu geben. Um Strafe im Bezug auf Jagen überhaupt halbwegs erfolgreich einsetzen zu können, bedarf es sehr schwerer Strafen (wie z.B. Stromreizgeräte). Denn mit aversiven Mitteln wie Leinenruck & Co. lässt sich ein passionierter Jäger nicht einschüchtern. Warum Stromreizgeräte inakzeptabel sind: hier.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man seinen Jagdhund zumindest zu einem angenehmen Begleiter machen kann, der in vielen Situationen abrufbar ist. Kann man damit nicht bestens leben?